Colomba Amstutz

Oltremare

Geboren in Locarno und teilweise aufgewachsen in Abidjan an der Elfenbeinküste, widmet Colomba Amstutz schon seit jungen Jahren ihr Leben der Malerei. Sie studiert Kunst an der Accademia delle belle arti in Florenz, wo sie 1986 das Diplom erhält und nach zusätzlichem Studium an der Fondazione Bisonte, dem Centro internazionale für graphische Kunst in Florenz auch jenes für graphische Kunst.
Seit 2002 lebt und arbeitet die Künstlerin in Sion.

Vor 10 Jahren hat Colomba Amstutz das erste Mal hier in der Schützenlaube ausgestellt und ist bekannt für ihre Bilder mit ihren charakteristischen menschlichen Figuren. Nun ist sie mit einer neuen Thematik zurück.

Der Klimawandel, die sich häufenden Naturkatastrophen, der Anstieg des Meeresspiegels und die Problematik der sich häufenden Abfallberge, insbesondere in den Weltmeeren, und das schleichende Verschwinden der Meerestiere inspirierten die Künstlerin zu neuen Visionen.

Spielerisch zeichnet sie ein Szenario der Verschiebung der Kontinente auf. Sie erschafft sozusagen eine neue Interpretation der geographische Ordnung, welche jedoch einem steten Wandel unterzogen ist. Gewisse Territorien verschwinden und neue erscheinen wie z.Bsp. der 6. Kontinent, gebildet aus den sich in den Ozeanen angesammelten Abfallbergen. Die Künstlerin hat diese Interpretationen mit den Fahnen der Nationen, welche die Kontinente bevölkern, umrahmt. Sie bekunden die Existenz eines tiefgreifenden Umbruchs der Welt. Auch Jules Vernes Roman „vingt mille lieues sous les mers“ hat hat Colomba Amstutz zum Entstehen dieser Werke inspiriert. In seiner 1870 geschriebenen Geschichte hat Jules Verne wohl nicht nur die technische Entwicklung des Unterseebootes vorweg genommen, sondern auch die Entwicklung des Unterwasserlebens der Weltmeere. Die Vision der natürlichen Meeresbewohnern, wie Fische und Meeressäuger entleerten Ozeane und dafür vollgestopften Quallen und Abfällen, ist im 21. Jahrhundert zur Realität geworden .

Die Künstlerin wendet für ihre Leinwandbilder eine Technik an, welche sie sich im Studium in Florenz angeeignet hat und bis heute ihre vorgezogene geblieben ist. Mit Acrylfarben malt sie auf Papier und zieht dieses dann auf Leinwand auf.

Auf ihren Hinterglasbildern können wir jeweils eine Flagge erkennen. Es sind dies Signalflaggen der internationalen Seefahrt und werden seit 1850 angewendet. Jede Flagge hat eine Bedeutung, welche auf Nöte, Gefahr oder sonstige wichtige Informationen aufmerksam macht. Was die Flagge auf den Bildern im Speziellen jeweils bedeutet, sagt der entsprechende Titel aus.

Ihr in der Malerei profundes Interesse an den menschlichen Figuren ist Colomba Amstutz immer noch geblieben und ein paar neue Werke sind auch in dieser Ausstellung präsent. Darin bewegen sie sich als schattenhafte Silhouetten im Dialog mit einem Universum aus Transparenz und Zersplitterung. Es scheint, als tanzten sie in einer Art Fruchtwasser, um sich vor der Aussenwelt zu schützen.